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Rückblick auf den Altmühlseelauf 2015

Bilder vom Altmühlseelauf 2015

Bildergalerie 2015

Berichte vom Altmühlseelauf 2015

Jörg Behrendt (www.joergbehrendt.de)

Altmühl Bote "Lauf-Re(d)aktion" (www.altmuehl-bote.de)

Artikel über den Altmühlseelauf 2015, erschienen im Altmühl-Boten

Neuer Streckenrekord von Getachew

UNTERWURMBACH (jb) – Paul Sichermann vom TSV Ansbach gewann von 1997 bis 2003 siebenmal in Folge den Halbmarathon beim Altmühlseelauf des SV Unterwurmbach und sein 2001 aufgestellter Streckenrekord von 1:10:41 Stunden schien unbezwingbar. Doch seit dem 18. Juli 2015 ist nicht nur dieser Rekord Geschichte, sondern es wurde auch noch eine Schallmauer geknackt: Endisu Getachew (Foto) verbesserte die Bestleistung auf 1:09:34. Seit über einem Jahr lebt der äthiopische Asylbewerber bei Pegnitz. Beruflich hat er aktuell keine Aussichten auf eine Anstellung und so konzentriert sich der 24-Jährige auf seine Läuferkarriere. Sein großer Traum sei es, als Mitglied des deutschen Nationalteams Marathon zu laufen. Weil er bei Pegnitz in einer Wohnung mit anderen Asylbewerbern lebt, kann er sich keine professionelle Laufausrüstung leisten. Richtige Laufschuhe bekam er erst im vergangenen Sommer geschenkt. Auch konnte er wegen einer ungeklärten Beinverletzung im Winter monatelang nicht trainieren. Als Asylbewerber bekam er kein MRT und damit keine genaue medizinische Diagnose. Im Herbst des vergangenen Jahres konnte Endisu Getachew in 2:31:22 Stunden den Fränkische-Schweiz-Marathon für sich entscheiden und nach der Verletzungspause triumphierte der 24-Jährige in 1:08 beim Halbmarathon im Rahmen des Fürther Metropol-Marathons. Das Lächeln des Siegers, auch später auf dem Siegerpodest, war auch in „Worma“ der beste Dank an Organisatoren und Zuschauer. Beim 30. „Heizomat-Altmühlseelauf“ gab es 343 Halbmarathon-Finisher, 147 Jedermannsläufer (innen) und 50 Bambinis. 1986 hatte der SV Unterwurmbach erstmals einen Staffellauf um den Altmühlsee angeboten. 1995 wurde dann der Halbmarathon ins Programm aufgenommen und teilweise gingen bis zu 800 Läufer an den Start. Das Staffelrennen fand bis 2005 statt und seit 2007 gibt es für alle, denen der Halbmarathon zu lang ist, den Jedermannslauf über sieben Kilometer. Ausführliche Berichte über das Sportevent im Heimatsport in diesem Lokalteil.

Foto: Behrendt

Artikel über den Altmühlseelauf 2015, erschienen im Altmühl-Boten

Äthiopier knackt Streckenrekord

Endisu Getachew mit 1:09:34 über eine Minute schneller als Paul Sichermann 2001

UNTERWURMBACH - Schnee ist beim Altmühlseelauf noch keiner gefallen, doch auch bei der 30. Auflage war das Wetter wieder in aller Munde. Sturm, Gewittergüsse und glühende Hitze hat es schon gegeben, und vielen ist 2014 mit über 30 Grad noch in heißer Erinnerung. Beim samstäglichen Achterbahnwetter schien auch alles möglich. Am Vorabend hatte das Team des SV Unterwurmbach noch bei glühend heißen 35 Grad die Infrastruktur am Sportgelände aufgebaut, dann gab es eine leichte Abkühlung und kamen auch die Läufer. Der Nachmeldeschalter wurde rege umlagert und so durften sich die Organisatoren um Werner Albrecht über etwa 550 Teilnehmer freuen.

In 20 Jahren werden sie vielleicht selbst den Altmühlsee umrunden, heuer ließen sich die etwa 50 Bambinis vom einsetzenden Regen nicht beeindrucken und zeigten auf der etwa 400 Meter langen Runde Kampfgeist und Begeisterung am Laufsport. Die Älteren nahmen anschließend ihre Erwärmungsarbeit auf. Einlaufen, Gymnastik, Dehnübungen, schnelle Steigerungen – jeder hatte da sein eigenes Programm. Und viele freuten sich bei etwa 25 Grad auch über den Regen, würde er doch willkommene Abkühlung spenden. Es sollte nur kein Wolkenbruch werden.

Als um 18 Uhr die 350 Halbmarathonläufer des „30. Heizomat-Altmühlseelaufes“ auf die Reise geschickt wurden, war der Regen bereits abgezogen. Auf der gewohnten Runde ging es für zunächst durch Unterwurmbach und knapp zwei Kilometer nach dem Start war auch der höchste Punkt der Strecke erreicht. Vorbei an der Trocknungsanlage führte der Weg um Altmühlsee.

Die Frage nach den Favoriten war im Vorfeld schwer zu beantworten. Kai Reißinger und Andreas Doppelhammer, beide von der Pleinfelder „Mannschaft ohne Namen“, kurz M.O.N., waren im Gespräch. Doch bereits nach 500 Metern lag ein dunkelhäutiger Läufer vorne: Endisu Getachew (BTS Bayreuth), der erst kurzfristig nachgemeldet hatte, konnte sich leicht absetzen, doch noch waren über 20 Kilometer zu laufen…

Inzwischen standen 150 „Jedermannsläufer“ an der Startlinie und mit dem -schuss zogen auch die Regenwolken ab. Die Sonne heizte die vom Regen noch feuchte Luft sofort auf und es war schnell klar, dass auch der 30. Altmühlseelauf wettertechnisch zur Herausforderung wurde.

Am Ziel liefen derweil die Vorbereitungen auf den Ansturm der Fünfhundert. Becher füllen, Äpfel und Bananen schneiden, Medaillen bereitlegen. Plötzlich lief um 18.31 Uhr ein einsamer Läufer ins Ziel. Große Verwirrung: 11 Minuten für sieben Kilometer oder eine gute halbe Stunde für den Halbmarathon sind beides gleichermaßen unrealistisch. Des Rätsels Lösung: Benedikt Huber aus Sachsen stand im falschen Startblock und nahm mit dem Halbmarathonis den Jedermannslauf in Angriff. Er hatte sich schon gewundert, warum er so deutlich in Führung lag. Für Organisatoren und Zeitnehmer war es kein Problem: Die 31:48 Minuten wurden für den Jedermannslauf gewertet und bedeutete Rang Fünf.

Die Zielbetreuer hatten so schon einmal Gelegenheit, die Abläufe zu üben, bis dann Roland Rigotti (TSG 08 Roth) auf die Zielgerade einbog. Nach 27:33 Minuten konnte sich der 39-Jährige bereits zum vierten Male in die Siegerliste des Jedermannslaufes eintragen. Erst knapp zwei Minuten später folgte Philipp Schwab und bewies mit 29:20, dass man beim FC Aha nicht nur gut Fußball spielt, sondern auch schnell laufen kann. Dritter wurde Daniel Stumpf (ESC Höchstadt). Als Achte erreichte die schnellste Frau des Tages das Ziel. Marina Schenk (TSV Dinkelsbühl), Lebensgefährtin des Feuchtwanger Ausnahmesportlers Florian Holzinger, siegte in 32:19 Minuten vor der Stuttgarterin Andrea Wicke (33:03) und Luisa Ordner vom TSC Neuendettelsau (34:05).

Zwischenzeitlich wurden immer wieder aktuelle Renninformationen von der Halbmarathonstrecke übermittelt: Endisu Getachew baute seine Führung auf Kai Reißinger und Andreas Doppelhammer immer mehr aus. Als der 24-Jährige die Trocknungsanlage passierte und schon weit über fünf Minuten Vorsprung hatte, gingen die Blicke auch auf die Rekordliste. Paul Sichermann vom TSV Ansbach war von 1997 bis 2003 siebenmal in Folge siegreich und seine 2001 aufgestellte Streckenrekordmarke von 1:10:41 Stunden schien unbezwingbar. Wenig später war nicht nur dieser Rekord Geschichte, sondern auch eine Schallmauer geknackt: Endisu Getachew verbesserte die Bestleistung auf 1:09:34. Zweiter wurde zum dritten Mal in Folge und zum vierten Mal insgesamt Kai Reißinger, Sieger von 2012, in ausgezeichneten 1:15:52. Andreas Doppelhammer sicherte sich mit 1:17:31 den dritten Platz und zum fünften Mal in Folge den Titel des Halbmarathon-Stadtmeisters von Gunzenhausen. Beide M.O.N.-Läufer hatten im Verlauf des Rennens immer mehr mit der drückenden Schwüle zu kämpfen. Auch etliche andere Läufer kommentierten die Witterungsbedingungen mit Worden, die nicht unbedingt als druckreif zu bezeichnen sind.

Schnellste Halbmarathon-Frau war Sarah Hahn. Mit 1:26:54 war sie acht Minuten schneller als bei ihrem Sieg 2012. Gerne wäre sie „achter Mann geworden, also einstellig in der Gesamtwertung“ geworden, doch am Ende lagen neun Männer vor der Gesamtzehnten. In 1:32:35 Stunden passierte Ursula Schürle (DJK Teutonia Gaustadt) als Zweite das Ziel und Dritte wurde mit 1:37:21 die Vorjahreszweite Maria de Fatima Ferreira de Jesus aus Erlangen. Der Titel der Stadtmeisterin ging mit1:48:15 an die vereinslose Daniela Rubensdörfer.

Wie gewohnt, treffen sich auch die Läuferlegenden der Region am Altmühlsee. Da wäre zum Beispiel der Altentrüdinger Fritz Edelmann. Dessen Verletzungsgeschichte könnte für Medizinstudenten ein Lehrbuch ersetzen und diesmal war es der Meniskus, welcher ihm zu schaffen machte. Ungeachtet dessen entschied er in 1:44:00 seine Altersklasse M65 für sich. Der 66-Jährige will am 11. Oktober bei der 30. Auflage des „München-Marathons“ zum 30. Male am Start stehen...

Der Cronheimer Walter Kübler vom SV Unterwurmbach, als einziger bei allen Altmühlsee-Halbmarathons dabei, kam diesmal in dieser Altersklasse hinter Fritz Edelmann, Georg Winsczyk (Lauftreff Ansbach-Nord) und Eberhard Hatz (Herrieder Aquathleten) nur als Vierter ins Ziel. Spannung auch im Duell der Ältesten in der M70: Wulfhard Fahsold (TSV Ansbach), auch schon längst Stammgast am Altmühlsee, konnte sich in 1:49:40 bei seinen Dauerrivalen Heinz Hämmerer (LT Heidenheim/Brenz) für die beim Dürrwanger Kappellauf erlittene Niederlage revanchieren.

Auch wenn am Ende die persönliche Laufzeit nicht immer passte, können Organisatoren und Helfer auf eine gelungene Veranstaltung zurückblicken. Polizei und Feuerwehr sorgten für die Sicherheit, das BRK und die Wasserwacht kümmerten sich um die Gesundheit der Läufer. Die Siegerehrung ging schnell über die Bühne und hungrig brauchte keiner nach Hause zu gehen – Speis und Trank gingen nie aus. Die Arbeit der Organisatoren weiß auch die Stadt Gunzenhausen zu würdigen, in deren Namen sich Bürgermeister und Schirmherr Karl-Heinz Fitz auch mit einer finanziellen Unterstützung bedankte.

Im Internet-Läufergästebuch gab es bereits die ersten positiven Rückmeldungen und können unter www.altmuehlsselauf.de auch Ergebnisse und Bilder angesehen werden. So geht der Blick nach vorne: die 31. Auflage des Altmühlseelaufes wurde auf den 23. Juli 2016 terminiert – eine Woche später als geplant, aber wie heuer auch eine Woche nach dem Challenge-Triathlon in Roth

JÖRG BEHRENDT

Stellvertretend für alle Helferinnen und Helfer - unser Orga-Team

Orgateam Altmühlseelauf
von links: Karl Wagner, Gerhard Ortner, Oliver Trautner, Werner Albrecht, Magnus Eder
Thomas Kratz, Hans Neumeyer, Erich Söllner